BFFV aktuell

Der Berliner FFV hatte im Januar 2012 beschlossen, beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eine Petition zur Situation des unabhängigen deutschen Kinderfilms einzureichen.
Mit Schreiben vom 21.01.2013 erhielten wir von der Vorsitzenden des Petitionsausschusses Kersten Steinke folgende Antwort:
Sehr geehrter Herr Kerkhey,
der Deutsche Bundestag hat Ihre Petition beraten und am 13. Dezember 2012 beschlossen:
Die Petition

  1. der Bundesregierung – dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – als Material zu überweisen,
  2. den Fraktionen des Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben,
  3. den Landesvolksvertretern zuzuleiten.

Er folgt damit der Beschluss-empfehlung des Petitions-ausschusses (BT-Drucksache 17/11865), dessen Begründung beigefügt ist.
Mit dem Beschluss des Deutschen Bundestages ist das Petitionsverfahren beendet.
Mit freundlichen Grüßen
Kersten Steinke

aus der Beschlussempfehlung:

(....) Der Petitionsausschuss teilt mit dem BKM die Ansicht, dass Kinder Filme brauchen, die ihnen auf originelle und zugleich tiefgehende Weise eine filmische Auseinandersetzung mit der heutigen Welt und ihren alltäglichen Problemen eröffnen. Dazu gehören die originären Gegenwartsstoffe für Kinderfilme, die neben Kinderfilmen nach literarischen Vorlagen und Märchen ein eigenes Gewicht haben. (...)

Das derzeitige Filmfördergesetz (FFG) endet am 31. Dezember 2013 und somit steht eine Novellierung für 2014 an. (...)

Der Petitionsausschuss hält dies für einen richtigen Moment, die Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass in der Novellierung des FFG auch der Kinderfilm den ihm gebührenden Platz findet. Der Petitionsausschuss unterstützt daher das Anliegen des Petenten und empfiehlt, die Petition der Bundesregierung – dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – als Material zu überweisen, den Fraktionen des Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben und den Landesvertretungen zuzuleiten.

 


 

Tätigkeitsbericht des Vorstands für 2012

Wie auch in den vorigen Jahren haben wir in Zusammenarbeit mit dem Kino Toni in Weißensee und dem Verein der Freunde des Kinos Toni regelmäßig unsere Filmreihe „Kontakte“ durchgeführt. Abgesehen von den Pausen während der Berlinale und der Sommerferien haben alle Vorführungen stattgefunden. Insgesamt haben wir 5 Spielfilme, 2 Kurzfilme, 2 Dokumentarfilme und einen Kinderfilm gezeigt.

Wir haben in Absprache mit der Toni-Theaterleitung den Termin unserer Kontakte-Reihe verlegt, und zwar auf den jeweils ersten Mittwoch im Monat.

Die Unterstützung der Wiederaufführungen von DEFA-Filmen im Rahmen unserer Filmreihe durch die DEFA-Stiftung ist nunmehr ausgelaufen, und die Förderung wurde vom Verband abgerechnet. Wir haben im Herbst einen Antrag auf erneute Förderung bei der DEFA-Stiftung gestellt, dieses Mal zur Deckung der Verleihmieten von 6 DEFA-Koproduk-tionen. Der Antrag wurde bereits in voller Höhe bewilligt, und so werden wir im kommenden Jahr eben 6 DEFA-Koproduktionen zeigen können, beginnend mit Günter Reischs „Unterwegs zu Lenin“, einer Koproduktion mit Mosfilm aus dem Jahre 1970, den wir am 6. Februar 2013 zeigen werden.

Unsere Kinderfilm-Petition wurde beim Petitionaus-schuss des Deutschen Bundestages im Februar, während der Berlinale, eingereicht und fand während der vierwöchigen Mitzeichnungsfrist 633 Mitzeichner. Dass es nicht mehr wurden, lag wohl nicht nur am Desinteresse vieler Betroffener an einer Initiative, die nicht von ihnen selbst stammte, sondern vor allem am enorm komplizierten Zeichnungsverfahren: viele glaubten, mit der Registrierung beim Petitionaus-schuss sei das Verfahren bereits abgeschlossen, da war der Mitzeichnungswunsch aber noch gar nicht gezählt. Seit dem 22.03.2012 (Ende der Mitzeichnungsfrist) befindet sich unsere Petition in der parlamentarischen Prüfung.

Wir haben beschlossen, die Initiative fortzusetzen und haben deswegen im Oktober einen offenen Brief zur Situation des unabhängigen deutschen Kinderfilms verfasst. Dieser Brief, der inhaltlich mit der Petition deckungsgleich ist, wurde an die Mitglieder des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages, den Staatsminister für Kultur und Medien, die kulturpolitischen Sprecher der Parteien, die kulturellen und regionalen Filmförderungen und das Kuratorium Junger Deutscher Film sowie die Kinderfilm GmbH / den mitteldeutschen Produzentenverband, insgesamt an 30 Adressaten, versandt. Wir werden bei allen Adressaten nachhaken und unsere Forderungen als Internet-Petitionen, etwa bei avaaz, campact und openpetition zur Mitzeichnung veröffentlichen.

 

 
 
 
 
 

 

 

Offener Brief an

die Mitglieder des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages
die kulturpolitischen Sprecher der Parteien
alle film- und medienpolitisch Verantwortlichen

Der unabhängige deutsche Kinderfilm ist in Not! Zwei Jahre in Folge war er auf der Kinder-Berlinale „generation k plus“ gar nicht mehr vertreten. Aber auch das ist nur ein Symptom. Es geht nicht um seine öffentliche Präsenz, es geht um seine Existenz.
Er wird nämlich nicht mehr produziert. Angeblich aus ökonomischen Interessen. Kinder, so eine erstaunlich einige Meinung von Großproduzenten, öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern, Kinder wollen nämlich ausschließlich US-amerikanische 3D-Animationsfilme oder Verfilmungen von Bestsellerbüchern oder Märchen. Sonst nichts. Klar! Sonst gibt es ja auch nichts! Die Kinder haben keine Wahl.

Vielleicht stimmt es ja. Vielleicht kann man mit Kinderfilmen, die nicht auf die Marken ‚Bestseller’ oder ‚Märchen’ bauen, kein Geld verdienen. Ein Blick ins europäische Ausland zeigt allerdings das Gegenteil: skandinavische und niederländische Kinofilme reüssieren an der Kinokasse – in Norwegen stammt ein Drittel der Kinoeinnahmen aus norwegischen Kinderfilmen. Die dortigen Kinderfilme gewinnen, auch international, einen Filmpreis nach dem anderen - möglicherweise liegt es an der Filmförderung in diesen Ländern, daß gerade originäre Stoffe, die keine Remakes oder Bestsellerverfilmungen sind, eine Chance erhalten, schließlich werden 25 Prozent der Fördermittel dort gesetzlich für Kinder- und Jugendfilme eingesetzt.

Das alles ist lange bekannt. Und es wird viel darüber geklagt. Nicht nur von Kinderfilm-Verbänden, selbst Kulturstaatsminister Neumann hat in seiner Preisverleihungs-Rede auf dem Goldenen Spatz 2011 moniert, daß „kaum noch Spielfilme nach neuen Stoffen entstehen, also ohne bekannte Vorlage, die aber die Gegenwart in Deutschland und die Lebenswirklichkeit der Kinder abbilden. Hier wird eine Verarmung der Stoffe sichtbar.“

Passieren tut nichts!

Doch! Der Status quo wird weiter zementiert. Im Jahre 2012 gibt etwa die ARD einen großen Teil des ohnehin spärlich bemessenen Kinderfilm-Etats für eine Neuverfilmung von „Hänsel und Gretel“ aus, das erst 2006 vom ZDF neu produziert worden war. Am 20.12.2012 wird endlich „Die Abenteuer des Huck Finn“, die Fortsetzung von „Tom Sawyer“, in die deutschen Kinos kommen. Originalstoffe aus der deutschen Wirklichkeit? Fehlanzeige! Die Zeiten großer originärer Kinostoffe für Kinder – beispielhaft „Wer küsst schon einen Leguan?“ (2003) oder „Flussfahrt mit Huhn“ (1984) – liegen weit hinter uns.

Aus eigener Kraft kommt der originäre deutsche Kinderfilm nicht wieder auf die Beine. Er braucht Hilfe, staatliche Hilfe, denn in noch stärkerem Maße als der Kinofilm überhaupt ist der Kinderfilm in erster Linie Kultur- und nicht bloßes Wirtschaftsgut und muss als solches unterstützt werden.

Ein Ziel könnte es sein, innerhalb der Filmförderung des Bundes eine eigenständige Kinderfilmförderung mit nennenswertem Etat zu schaffen. Wir sollten die für das Jahr 2013 anstehende Novellierung des Filmfördergesetzes (FFG) nutzen, um erste Schritte in die Wege zu leiten:

  • Aussetzung der Wirtschaftlichkeitskriterien der FFA für Kinderfilme, die den o.g. Kriterien entsprechen – kein Remake, keine Bestsellerverfilmung,
  • schrittweise Bereitstellung von Fördermitteln bis zu einer Quote von 25% des Gesamtetats der Filmförderung des Bundes in allen Förderbereichen.

Gleichzeitig sollten alle filmpolitisch Verantwortlichen ihren Einfluß auf die Rundfunkstaatsvertrags-Partner, also die öffentlich-rechtlichen Fernsehan-stalten, nutzen, um diese dazu zu bewegen, neue originäre Kinder- und Jugendstoffe zu koproduzieren. Mit diesen und ähnlichen Maßnahmen könnte man kleine und mittlere Produktionsfirmen ermutigen, Kinder- und Jugendstoffe verstärkt in den Focus zu nehmen.

Originäre Kinderstoffe, die der heutigen Lebenswirklichkeit unserer Kinder entsprechen, sind Lebenshilfe für die kommenden Generationen und Futter für die Medienkompetenz unserer Kinder. Nehmen wir diese Herausforderung ernst!

Der Vorstand des Berliner Film- und Fernsehverbandes
Oktober 2012

 

 


 

LEUCHTSTOFF –

Ein Bekenntnis zum Kino der Region

 

LEUCHTSTOFF heißt die neue Filminitiative des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Der Sender will sein erfolgreiches Engagement als Kinokoproduzent ausbauen und verstärkt Kinofilme aus der Region unterstützen.

LEUCHTSTOFF-Partner ist das Medienboard Berlin-Brandenburg.
„Mit der Initiative LEUCHTSTOFF fördert der rbb Dokumentationen und Spielfilme, die durch herausragende Qualität, großes Engagement und Leidenschaft beeindrucken“, sagt rbb-Intendantin Dagmar Reim. „Wir freuen uns auf Geschichten, die mit uns zu tun haben - mit unserer Region und unserem Leben.“

Jährlich sind fünf Neuproduktionen geplant. Geplant sind zunächst drei Dokumentarfilme und zwei Spielfilme im Jahr. Dafür stellt der rbb 500.000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommt ca. 1 Mio. Euro aus Fördermitteln, die das Medienboard, ARTE und weitere Sender beisteuern.
LEUCHTSTOFF versteht sich nicht als reines Filmfinanzierungsmodell, sondern als dramaturgische Werkstatt. Die LEUCHTSTOFF-Arbeitsgruppe bietet Beratung und Kontakte, Stoffkritik und Stoffentwicklung, Produktionsbeteiligung, Unterstützung beim Kinostart.
LEUCHTSTOFF ist als Langzeit-Projekt gedacht.
Neue Projekte können ab jetzt über Produktionsfirmen eingereicht werden.

In Zukunft werden dffb und HFF, Medienboard und rbb ein gemeinsames Abschlussfilm-Programm auflegen.
Hintergrund für diese Initiative ist der Wunsch der beiden Hochschulen, Studentenfilme schneller und zügiger, radikaler und damit frischer entwickeln und drehen zu können.

 


Archiv:

Berliner Film- und Fernsehverband verfasst Petition zur Rettung des deutschen Kinderfilms

Nach wie vor ist die Situation des unabhängigen deutschen Kinderfilms prekär. Ein Blick in die Liste der von deutschen Filmförderungen geförderten Stoffe und Projekte zeigt, dass der unabhängige deutsche Kinderfilm eigentlich dringend auf die Rote Liste der bedrohten Arten gehört.

Kulturstaatsminister Neumann hat in seiner Preisverleihungs-Rede auf dem Goldenen Spatz moniert, dass "kaum noch Spielfilme nach neuen Stoffen entstehen, also ohne bekannte Vorlage, die aber die Gegenwart in Deutschland und die Lebenswirklichkeit der Kinder abbilden. Hier wird eine Verarmung der Stoffe sichtbar."

Konsequenz: bereits zum zweiten Mal in Folge ist auf der "Kinder-Berlinale" generation k plus kein einziger programmfüllender deutscher Film vertreten!

Aus diesem Grund hat der Berliner Film- und Fernsehverband beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eine Petition zur Situation des unabhängigen deutschen Kinderfilms eingereicht. Diese Petition ist am Freitag, den 10. Februar 2012 unter der Petitionsnummer 22699 als so genannte öffentliche E-Petition eingereicht worden, das heißt, dass sie vier Wochen lang von allen Interessierten in einem Forum diskutiert und auf der Website des Petitionsausschusses von Unterstützern mitgezeichnet werden kann.

Wenn die Petition des Berliner Film- und Fernsehverbands innerhalb von vier Wochen ab Einreichung von mehr als 50.000 Menschen unterstützt, also mitgezeichnet wird, ist der Petitionsausschuss verpflichtet, die Petition in einer öffentlichen Sitzung mit dem Petenten zu erörtern.

Wir brauchen jeden Mitzeichner, jede eurer Unterschriften!

Die in der Petition angestrebte Gesetzesänderung hat Filme zum Ziel, die nicht aus der Verfilmung bekannter Bücher bzw. Marken oder Märchen bestehen, also aktuelle Originalstoffe, und sie soll für alle Genres wie Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilm und in allen Förderungslinien, also Treatment, Drehbuch, Projektentwicklung, Produktion und Vertrieb/Verleih, gelten.

 

Hier der Text der Petition:

"Der Deutsche Bundestag möge Änderungen des Filmfördergesetzes sowie der entsprechenden Vergaberichtlinien beschließen dahingehend,
dass ein Viertel des Etats der Filmförderung des Bundes in BKM / Kuratorium junger deutscher Film und Filmförderanstalt (FFA) verpflichtend ausschließlich unabhängig produzierten deutschen Kinderfilmen zur Verfügung steht,
und dass für o.g. Kinderfilme die Wirtschaftlichkeitskriterien der FFA nicht angewendet werden."

 

 

 

 

 

 

 

Impressum:

Berliner Film- und Fernsehverband
Weydinger Str. 14 - 16
10178 Berlin